Hochgeehrt und 65 – Günter Ramthor
Überall, so heißt es, wird mit oder ohne dem „Urgestein der Brauerei“ Apoldaer Bier getrunken. Ein Mann der (jüngere) Geschichte schrieb und ein Mann der Tat. Das Geheimnis seiner Popularität wurde zum 65. Geburtstag im Dezember 2004 gelöst: er ist Mensch geblieben und trotz der Möglichkeiten (auch des Brauereiballons) nie abgefahren. Rund 1000 Gratulanten und Gäste aus Vereinen kamen, dem „Un-Ruheständler“ die Ehre zu erweisen und dankend die Jahre in Gemeinsamkeit zu bedenken. Günter Ramthor verheimlichte zu keiner Zeit, dass nur mit (einem Team mit 53 Beschäftigten und zwei Azubis) und in der Gemeinschaft Visionen greifbare Realität werden und „der Ball flach gehalten“ werden sollte. In der „Ramthor-Halle“ wurde dem ungekrönten „Bierkönig“, aktuellen Brunnenmeister, dem Ehren-Präsidenten aller Vereine, dem Ehrenritter der Ordensburg und dem „Werbeträger Gramont'schen Bieres“ ein Denkmal für einen phänomenalen Günter Ramthor „angedroht“. Schließlich „verbockte“ er außer dem Apoldschen Bock unzählige Veranstaltungen, die bereits Tradition sind. Das schönste Denkmal ist ohne Zweifel die moderne Vereinsbrauerei Apolda ... Das Bierbrauen allerdings fand weit vor der Gründung der Brauerei AG Erwähnung, nämlich bereits im so genannten „Roten Buch“ der Stadt Apolda im Jahre 1440. Einhunderte Jahre später, im Jahre 1548, war immer noch der Burgherr alleiniger Besitzer des einzigen Brauhauses. Besonders die Geschichte der „Städtischen Braugesellschaft zu Apolda“ und der Übergang zum Unternehmen „Karl Kürschner & Co.“ sowie die Entwicklung des Brauunternehmens „Gebr. Bohring“ sind erwähnenswert, da sie schließlich zur Vereinsbrauerei führten. Nach Erwerb von Grundbesitz und dem Kauf des bereits 1729 errichteten Darr- und Malzhauses (heute Darrplatz) sowie dem Anlegen tiefer Keller am Schlossberg waren die Voraussetzungen für die Gründung der Vereinsbrauerei am 01. Oktober 1887 gegeben. Mit Freigabe der Brauerei durch die SMAD, der Entwicklung der Apoldaer Vereinsbrauerei und dem Anschluss an das Getränkekombinat Erfurt blieb die Vereinsbrauerei immer ein Apoldaer Betrieb. Auszeichnungen und Zuerkennung der Gütezeichens „Q“ für besondere Qualität häuften sich. Ab 1970 gibt es das Diät-Pils und bereits 1971 werden mehr als 100 000 hl Bier erzeugt. Der erste Bockbieranstich erfolgte noch vor der Wende und bevor die Vereinsbrauerei seit 1990 dem Slogan „Das Bier aus Thüringen – Apoldaer“ treu ist. Auch daran hat Günter Ramthor maßgeblichen Anteil. Der 31. Mai 1991 ging mit der Privatisierung der Brauerei, eine von 41 Brauereien (mit 122 Biersorten) in Thüringen, als besonderes Datum in die Geschichte ein. Als Geschäftsführer wurden Günter Ramthor bestellt. Er legte vordem und nachdem mit zehn Jahren Aufbauarbeit nach der Wende eine wichtige Basis für Erfolg. Nicht nur neue Biersorten kam mit „Glockengießer Urtyp“ und „Gambrinus Pilsner“ auf den Markt, die Produktion nach dem Reinheitsgebot erzwingen auch beachtliche Investitionen von etwa 10 Millionen € seit 1990. Auszeichnungen, DLG-Prämierungen, erfolgreiche Teilnahme an Qualitätsprüfungen der CMA, festliche Veranstaltungen, das Brauen von Schellenbier für Jena 1995, die Gambrinus-Ballontaufe 1996 und das Gambrinus-Fest, das Erscheinen des Bierkönigs Gambrinus „persönlich“, die „Großen Bockbieranstiche“, stimmungsvolle Faschings- und Vereinsveranstaltungen (erst im Fest-Zelt, dann in der neu erbauten Halle), die Thüringisch-Mainfränkische Bier-Montgolfiade in der Glockenstadt 1997 mit 16 Heißluftballons, die erstmalige Würdigung mit der Ehrenmedaille der Stadt Apolda 1999, ständige Teilnahme an der Grünen Woche im Rahmen des WVA-Gemeinschaftsstandes, Beteiligung an den Kreismessen, Sparkassenfeste mit der Brauerei, Tage der offenen Tür, Oldieabende, die Mitwirkung am Apoldaer Zwiebelmarkt, der erste Biersommer und das 115. Gründungsjubiläum im Oktober und ein erstmaliger Bierausstoß von 100 000 Hektoliter Bier 2002, der erste Apoldaer Bierkönig, gefolgt von einer zum Tag der Vereine gewählten Bierkönigin, im Januar 2003 rollen zwei neue Großtanks an, der Spatenstich im Frühjahr 2003 zur bisher größten Investition (seit der Wende insgesamt über 10 Millionen €) in der Geschichte der Brauerei, Richtfest und Einweihung des neuen Sudhauses 2003 (Feier am 30. Januar 2004 mit MP Dieter Althaus), selbsständige Lehrausbildung seit 1990, das erste Zwiebelmarktfrühstück, der erste Scheck für die Apoldaer Tafel sind nur einige herausgegriffenen Höhepunkte, an der die Vereinsbrauerei aktiv mitgewirkt und viele eigenständig initiiert hat. Der Brauerei-Shop erweitere zusehens das Angebot. Weitergeführt wird der Brauerei-Kulturkalender mit Country-Abenden und allem, was sich bewährt hat. Der langjährig als Braumeister für die Qualität des edlen Gerstensaft verantwortliche Werner Kayser, ein treuer Mitstreiter von Günter Ramthor, 30 Jahre Mitglied der Fachprüfungskommission, feierte 2004 seinen 60. Geburtstag. Die Vereinsbrauerei ist Mitglied in der Biersekte, beurkundetes Mitglied der Bierstraße und bleibt ihrer Firmenphilosophie treu: Das Bier aus Thüringen, ein Bier aus der Region für die Region, eine Brauerei in der Region, gebaut mit Betrieben der Region. Mit Würde ist der Träger des Bundesverdienstkreuzes und mit der Ehrenmedaille der Stadt Apolda ausgezeichnete Jubilar immer eines geblieben: Mensch inmitten der Gesellschaft. Nicht anders ist „die wohl größte Geburtstagsfeier aller Zeiten im Weimarer Land“ zu bewerten. Er stellte nicht sich, sondern eine Ramthor-Stiftung zur Unterstützung begabter, junger Menschen in den Mittelpunkt. Mit sichtbarer Bewegung und Anerkennung nahmen seine Weggefährten aus Land, Kreis und Stadt, Partner aus Wirtschaft und Politik, Geschäftsfreunde und Kunden, die Belegschaft „seiner“ Brauerei, Vorstände von Vereinen und Gesellschaften sowie seine Familie die Entscheidung auf, dass er und seine Frau Regina (40 Ehejahre) auf Blumen und Geschenke verzichten. Vielmehr sollten die Zuwendungen als Spenden in die am 20. Dezember gegründete Ramthor-Stiftung fließen, um künftig zu benennenden jungen Menschen den Weg ins berufliche Leben bzw. des Studiums zu erleichtern. Die Entscheidung treffen neben dem Stifter der Apoldaer Bürgermeister (Michael Müller), der Leiter der Spezialklassen am Carl-Zeiss-Gymnasium Jena (Rüdiger Eisenbrand), der Geschäftsführer der Vereinsbrauerei (Detlef Projahn) und ein Vertreter der Ernst Abbé-Stiftung als Treuhänder (Rolf Ferdinand Schmalbrok). Die Laudatoren sagten es je auf andere Art, kamen aber zu dem gleichen Schluss: „Ihr seid ein wahrer Mensch“ (Christine Lieberknecht), werdet im ganzen Land herzlich und auf dem Apoldaer Marktplatz fröhlich gegrüßt (Lothar Trübner), er zeige ungebrochen Liebe zum Beruf und Optimismus in allen Lebenslagen, die schon immer ganze Generationen mitrissen, verbinde Tradition mit Moderne (auch in der Brauerei) und blicke zuversichtlich in die nächsten Jahrzehnte (Dr. Heinrich Macher). Neben dem vielfachen Prosit auf gute Jahre gab Günter Ramthor vor allem den Dank für erfahrene Unterstützung und gemeinsame Anstrengungen in einfacher Form zurück: in der Ramthor-Stiftung, von der noch Generationen sprechen ... Herzlichen Glückwunsch dem Mensch gebliebenen Phänomen. Wer möchte, kann auch weiterhin auf das Konto 600 077 888, BLZ 820 510 00 bei der Sparkasse Mittelthüringen (Ramthor-Stifung) zugunsten einer guten Zukunft für junge Menschen spenden. Darauf ein Prost und sehr zum Wohl „Es läutet die Glock' – Apoldaer Bock“! |