Clemens Gröszer
Klick für DetailansichtDas Kunsthaus der Apolda Avantgarde wird in wenigen Monaten auf zehn Jahre erfolgreiche Kunstausstellungen zurückblicken können. Alles begann am 17. Juni 1995 mit der Ausstellung „Max Liebermann und Lovis Corinth“. Bedeutende Namen – bedeutende Kunst. Das prägte die traditionelle Stadt der Glocken und des Strickerei-Gewerbes in neuer Weise und gab dem guten Bild der Stadt neue Mosaiksteinchen hinzu. Über das Jubiläum wird noch zu berichten sein.
Das Ausstellungsjahr 2005 wurde mit zahlreichen Neuerungen und der Ausstellung, einer umfassenden Werkschau und Autorenausstellung, im Apoldaer Kunsthaus eröffnet.
Der Berliner Maler, Grafiker und Bildhauer Clemens Gröszer (52) wurde nicht nur herzlich begrüßt und damit geehrt, es kamen auch weit über 350 Gäste zur Vernissage. Darunter Künstler-Persönlichkeiten wie Matthias Flügge, Vizepräsident der Akademie der Künste, und Annekathrin Bürger, die weithin bekannte und verehrte Schauspielerin. Sie alle erlebten einen Augen-Schmaus. Eine Freude für die Augen bilden die rund 150 Werke allemal. Flügge hielt die Laudatio und würdigte den Berliner Künstler als Meisterschüler im obsessiven Wechselspiel detailreicher Sujets, bei dem das Interesse Gröszers an der menschlichen Figur dominiert. „Bis heute speist sich sein spielerischer Naturalismus aus vielerlei Anteilen: Hintersinn und Aufrichtigkeit, Ironie und Wandel der Bedeutungen, ein wenig karikaturhafte Übertreibungen und viel Dingschärfe, Farbgenuß und eine merkwürdig selbstverständliche Trivialität, die Kunstmittel ist – und zugleich Befund.“
Wie immer die Äußerungen Gröszers über die „aufgeblasene mythologische Geheimsprache deutscher Malerkollegen“ bewertet wurden, als Künster, Bürger und Anarchist setzte er sich vielbeachtet immer mehr durch. Seine eigenwillige Bildsprache – zwischen Cranach und Dix angesiedelt – behauptet sich über die Jahrzehnte. Ein wenig Rotlicht (als Szene) und etwas derbe Nacktheit faszinieren, fangen sofort die Blicke ein. Schrill und altmeisterlich beherrscht Gröszer die Lasurtechnik und läßt den Betrachter genüßlich ertrinken im rauschenden Meer der Farben.
Der Berliner Künstler bekannte, sich gern einen Wunsch erfüllen zu wollen: Gestaltung eines Altar mit Kreuzigung.
Die prachtvolle Bilderwelt ist eine besondere Klasse, die Elemente alter Meister bis hin zum Karikativen verbindet. Ein großartiges Farbenspiel, welches die vergegenständlichte, reale Körperlichkeit gegen den allgemeinen Trend nach jugendlicher Vollkommenheit bis ins hohe Alter sprechen läßt. In einem Raum sitzt ein gestürzter Bronze-Engel. Ob das Werk oder der Mythos vom Engel durch wen wie und ob überhaupt gestürzt wurde, bleibt offen.
Gröszer ist keinesfalls ein Unbekannter unter den Künstlern, wenn auch das Spektrum von Außenseiter bis zum wohlbeachteten Meisterkönner reicht. Dennoch, die Apoldaer Avantgardisten bieten Gröszer im Kunsthaus für den Kunstraum Thüringen eine beachtenswerte Plattform.
Die über den Audio-Führer ermöglichten Informationen vermitteln aber keine Interpretation der Werke. Man „darf“ sich zwar von und mit Clemens Gröszer per Kopfhörer durch die Ausstellungsräume begleiten lassen, wird sich aber seine eigenen Ansichten bilden müssen. Erstmal kommt ein neuer Audio-Führer – eine Audio-Guide-Premiere - zum Einsatz.
Neu ist auch das für beide Seiten gewinnbringende Zusammenwirken mit der Apoldaer Strickchic GmbH, die sich auf dem Revers der Eintrittskarte (u.a. mit einem Werksverkauf) präsentiert und den Druck der Karten ermöglichte. Die fünf Prozent Rabatt, die  beim Kauf von Strickwaren eingeräumt werden, sind ein doppeltes Dankeschön – an die Besucher und die Präsentation von Kunst in Apolda.
Immerhin wäre die Stadt um rund 230 000 Besucher seit Eröffnung des Kunsthauses vor 10 Jahren ärmer und die Hotel bzw. gastronomischen Einrichtungen um diese Größe weniger besucht. Hotelbuchungen sind zwar alltäglich, doch dass allein 70 Zimmer zur Eröffnung vermittelt wurden, ist schon beachtenswert. Bis zum 28. März 2005, dem Ostermontag, kann die Ausstellung besichtigt werden.
Karl Lagerfeld wird im April dem Kunsthaus die Ehre geben und eigens mit seiner Fotoausstellung dafür aus Paris anreisen.
Auch wenn offiziell immer zwischen den Ausstellungen der Apolda Avantgarde und den gemeinsamen Ausstellungen der Stadt Apolda und dem Landkreis (mit je großartigem Sponsoring) unterschieden wird – für den Besucher und weitgereisten Gast gibt es nur ein Kunsthaus in Apolda.

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