Wolfgang Hoppe – Ehrenbürger der Stadt Apolda
Klick für DetailansichtEr ist gern in seiner Heimatstadt Apolda. Wenn es geht, kommt er schnell “Guten Tag” sagen und verschwindet nach Stunden wieder. Noch immer widmet er die meiste Zeit seines Lebens dem Sport. Das war schon immer so. Seine Fans wissen das. Und wenn es passt, sind sie zusammen – natürlich auch auf ein Bierchen der Apoldaer Vereinsbrauerei. Dann drängt die Zeit, denn hier gibt es keine Bob-Bahn oder einen Eiskanal. Wolfgang hat in der Glockenstadt sein Zuhause. Und wenn er gefagt wird, wo denn Apolda zu finden ist, erklärt er es geduldig – und die Kameras surren ...
Sportreportagen, Rennberichte, Schlagzeilen, Fotos mit mehr oder weniger großem Medaillensegen. Auch das gehört zu dem Ausnahmeathleten. Hier eine kleine Kostprobe ...
Nein, sie wollten sich nicht lumpen lassen. Sie wollten noch einmal die Bestwerte erreichen und damit die knappe Entscheidung bei den Auswahlkämpfen vergessen machen. Bereits im dritten Lauf waren die Männer um den Apoldaer Wolfgang Hoppe ab Kurve 9 mit Abstand die Besten. Immer wieder würdigten die Kommentatoren die unheimliche Ruhe und Abgeklärtheit des besten Bob- Piloten aller Zeiten aus dem Thüringer Land. 56.20 Sekunden im 3. Lauf- eine ganz wichtige, niemals aber ruhige Ausgangsposition. Dann das vierte Rennen. Der Start von Weltmeister Czudaj verlief mit 5.01 gut. An der Strecke jubelten die Fans, drückten die Daumen und  gaben der Hoffnung Ausdruck, dass eine lange Saison erfolgreich beendet werden möge. Da ein Schleifen, ein Poltern ... wertvolle Sekundenbruchteile verloren und am Auslauf der Bahn tickten die Uhren weiter. Die Fahrt war doch schon ins Tal gebracht! Nerven! Und plötzlich Jubel beim Bob Österreich. 2. Platz  und Silber. "S is super g`angen", sagte voller Erregung Hubert Schösser und war glücklich über Silber.
Doch dann schoben sich die späteren Goldjungs an den Start. Ein Hosenhinterteil war bereits hart gezeichnet von einem "Startschuh-Einstieg" mit ca 500 kleinen Nägeln. Mit 37 war er eigentlich schon abgeschrieben, unser Wolfgang, der den Namen des Landes und seiner Vaterstadt Apolda schon weit in die Welt getragen und in das Eis gedrückt hat.
Dann ging die Fahrt ins Tal. 5.0 die Startzeit. In jedem Lauf Bestzeit und nun noch einmal diese Steigerung. Jubel an der Bahn. Man glaubte den “Apoldaer  Hoppe-Fan-Club” in ganz Winterberg zu hören. Ruhig ging der Bob ins Tal, ruhig, aber schnell. Einwandfrei, eine Goldfuhre ... Es sprach sich fast noch schneller herum, als die Fahrt es selbst war. Gold! Also keine verflixte Sieben, nach bisher 6 Weltmeistertiteln. Gold! Dahinter liegen 15 Jahre Leistungssport und der aufreibende Bobsport.
Mehr als 1000 Mal vielleicht durchfuhr Wolfgang Hoppe gedanklich die Bahnen. Immer und immer wieder lenken, Gewicht verlagern, Kurve, schnelle Fahrt in die Gerade, lenken ... Hoffnungen und Jubel keimen immer im Verborgenen. Und dann diese Zeit! Da knallten die Fäuste auf die Helme, brach der Sturm der Begeisterung los. Geschafft!
Schon wieder Ruhe und Gelassenheit am Reportermikro beim Glückwunsch und den ersten Fragen. Wie fühlt sich Wolfgang Hoppe nach 4 Bestzeiten? "Zum Bob gehören immer eine Mannschaft, die Trainer, der Bundestrainer, die Mechaniker ... alles hat gepaßt! Meine Jungs erkämpften mit mir den Sieg. Das alles gehört zusammen. Den Sieg widme ich auch meinem  verstorbenen Schwiegervater, der von den Rennen zu Lebzeiten begeistert war und fest die Daumen drückte. Meine Eltern (Werner und Johanna) und mein Bruder Heinz (ehemaliger Moto-Cross-Fahrer) freuen sich", sagte Goldjunge Wolfgang, der die Begeisterung an der Bahn super fand. "Und woher kommt die Ruhe, die sich mancher wünscht", fragte der Journalist. "Der Eiskanal birgt in sich viele Gefahren. Wer da ausflippt, hat schon verloren!, sagt lächelnd Wolfgang Hoppe, der die 30 Medaille "einfuhr". "Jeder Sieg ist vor allem ein Sieg über sich selbst", ließ Wolfgang schon einmal wissen, weil Motivation allen Bobpiloten eigen ist. Allein, dies reicht noch nicht für den Sieg. Man muß das Eis mit dem Hintern erfühlen, auf das feine Singen der Kufen hören können und den Atem der Mannschaft spüren ...
Wolfgang Hoppe entwickelte seine sportlichen Leidenschaften unter den Fittichen des Meistermachers Hans Geupel (siehe unter Rubrik “Persönlichkeiten”), lernte zu siegen, sich unter Kontrolle zu halten und erwarb die Fähigkeit, sein Wissen zum Ruhme anderer Sportler weiterzugeben. Er wurde nach Lillehammer (3. Platz im 4er-Bob) 1994 Thüringer Sportler des Jahres und als Ehrenbürger des Stadt Apolda 1995 geehrt. Dieter Hertel, Roland Scholz, Wolfgang Kappes, Thomas Schinzel und Richard Knothe ist diese Initiative zu danken. Sie waren es, die im Bunde mit Hans Geupel und Volker Hensger dem Stadtrat Apolda den Vorschlag unterbreiteten, die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Einstimmigkeit darüber im März 1995 und die Ehrung selbst wurde zur Eröffnung der Apoldaer Stadthalle 1995 – also vor 10 Jahren - vorgenommen. Wolfgang ist weit gekommen und schnell geschlittert ohne seine Bescheidenheit aufzugeben.
Die Medaillen-Bilanz: zweifacher Olympiasieger und vier weitere Medaillen, achtfacher Weltmeister und elf weitere Medaillen, vierfacher Europameister und vier weitere Medaillen, drei Weltcupsiege, zweifacher Deutscher Meister und vier weitere Medaillen, fünffacher DDR-Meister und drei weitere Medaillen, zweiter Platz bei den Junioren-Meisterschaften im Zehnkampf.
Dann kam der bittere Abschnitt, 1998 dem aktiven Wettkampfsport ade zu sagen und nicht mehr für das Land zum persönlichen Medaillen-Kampf zur Verfügung zu stehen. Das alles ist zum Glück nur bedingt richtig. Seit 1998 fungiert er als Bundetrainer im Bob- und Schlittenverband und seit 2000 ist er Bundestrainer im Damen-Bob. Wolfgang Hoppe trainiert heute diejenigen, die in der künftigen Medaillenspur fahren. Vorbereitung in Oberhof, Qualifikation in Altenberg,  November 2005 Weltcup in Calcary, Dezember Turin Olympiavorbereitungen ... Nach den Olympischen Spielen geht es weiter. Es gab keinen Stillstand – und es wird keinen geben, so lange Wolfgang Hoppe bei guter Gesundheit ist. Herzlichen Glückwunsch!

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