Max Raebel – Rennsteigläufer und Polarforscher
Am 4. Februar 1906, vor genau 100 Jahren, gab es die erste offizielle Sportveranstaltung auf dem Rennsteig unter der Bezeichnung „Rennsteig-Rennen auf Schneeschuhen“. Die Strecke führte vom Inselberg nach Oberhof. Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, durch dessen Wälder große Teile der Strecke führten, hatte das Protektorat über die Veranstaltung übernommen. Er gilt als ein wichtiger Förderer des Thüringer Wintersports. Zum Rennsteig-Rennen starteten sechs Männer, unter ihnen der damals bekannte norwegische Skisportler Robesahm. Er errang bei dem 1. Rennsteig-Rennen über 27 km mit 2 Stunden 32 Minuten und 50 Sekunden den ersten Preis - den
silbernen Wartburgbecher. Dieser Skilauf ist der Vorläufer des heute noch stattfindenden
Rennsteig-Massenskilaufs. Skilauf auf dem Rennsteig ist aber schon zehn bis zwanzig Jahre früher nachgewiesen. Angeblich sollen norwegische Studenten den Skilauf nach Thüringen gebracht haben.
Verbrieft ist für den 6. Dezember 1893 ein Skilauf von Max Raebel von Eisenach zum Inselberg. Bei diesem Lauf benutzte er 2,80 m lange Schneeschuhe und die norwegische Doppelstocktechnik. Die Streckenlänge betrug 24 km. Damit dürfte er der erste Skiläufer auf dem Inselberg gewesen sein.
1913 hatte er mit einem Rekordmarsch auf dem Rennsteig seine spektakulärste sportliche Leistung vollbracht. Am 22. Mai um 4.04 Uhr startete er in Blankenstein und trotz mehrfachen Verlaufens und eines Abstechers, mit einer nur achtstündigen Nachtruhe auf dem Kahlert, erreichte er am 23. Mai, abends 22.25 Uhr Hörschel. In nur 42 Stunden und 21 Minuten absolvierte er den kompletten Rennsteig. An den Rennsteigverein berichtete er über diesen Marsch u. a.: „[...] währenddessen nur 3 kg Gepäck mitgeführt, Kaffee und Bier gar nicht genossen, sondern nur von Cakes und roher kalter Milch gelebt[...]“ Den Bericht unterzeichnete er mit „Max Raebel, Polarforscher“.
Max Raebel wurde 1874 in Bielefeld als Sohn eines Cellisten geboren. Als er 4 Jahre alt war, übersiedelte seine Familie nach Eisenach. Sehr bald prägte sich bei dem Jungen eine starke musikalische Empfindsamkeit aus. Mit vierzehn Jahren ging Max Raebel an das Konservatorium nach Weimar, bis sich Ende 1892 in ihm die Sehnsucht nach dem Hohen Norden so stark regte, dass er zunächst nach Schweden reiste und als Pianist in verschiedenen Kapellen wirkte. Seine ungeheure Reiselust brachte ihn 1901 nach Island, wo er als Musiklehrer tätig war. Lange Zeit unternahm Max Raebel für die Gesellschaft für Erdkunde meteorologische Untersuchungen. Nebenher betrieb er eifrig botanische Forschungen. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam Max Raebel wieder nach Eisenach und stellte sich, da er nicht eingezogen wurde, der Jugendwehr zur Verfügung. Die Mehrzahl seiner ca. 50 musikalischen Werke umfasst Orchestersuiten, Lieder, eine große A-Moll-Sinfonie sowie die Wartburggesänge. Nach dem Krieg lebte er wieder längere Zeit im hohen Norden, wo er auch als Kunstmaler tätig war. Bekannt ist, dass er besonders häufig die als „Nordlicht“ bekannten Naturerscheinungen malte. 1946, vor sechzig Jahren verstarb Max Raebel völlig verarmt und vergessen in Eisenach.
Autor Dr. H. Kremer, USV Jena

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