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| Auerstedter Backhausgeschichten |
Das ganze Dorf ist jährlich (mindestens) einmal erfüllt vom Duft der warmen Brote, Brötchen und schmackhaften Kuchen. Das traditionelle Backfest in Auerstedt findet einmal jährlich immer am ersten (verführerischen) Samstag des neuen Jahres statt. Wenn das Jahr noch ganz jung ist, pilgern Hunderte nach Auerstedt. Das Besondere: Nelda Kreßmann (87) war immer gut für Überraschungen, wartete mit einem Kuchen auf, der im Auerstedter Schloss noch nie zu haben war. Geheimnisvolle Rezepte aus Ur-Urgroßmutters Zeiten: Apfelkuchen mit Rum-Rosinen ... keine Stunde überlebte der Kuchen! Nun fordern die Jahre von der ältesten Backfrau aber etwas Ruhe ... Seit 1998 verdrängt ein richtiger Bauernbackofen den bis dahin gebräuchlichen Gasherd. Der historische Backofen aus Oberroßla leistet bei den Auerstedtern gute Dienste. Bereits beim Anbacken gingen die Brote weg wie ... Das Sprichwort ist ja bekannt! Die Gäste können Speck- und Kartoffelkuchen probieren - alles nach original Rezepten. Die Backfrauen aus Auerstedt tischten bisher süßen Rahm-, Rum- und Sahnekuchen auf. Nach “Geheimrezept“ gibt es sicher wieder frischen Zwiebelkuchen. Natürlich will jeder auch 2005 ein frisches Brot mitnehmen. Der Bad Sulzaer Bäcker Hamdorf (mit Privileg der “Schlossherren” ausgestattet) heizt erneut den historischen Steinofen ein und bereitet die Sauerteig-Brote vor. Die frischen Schnitten mit Grieben-Fett und saurer Gurke waren schon immer der “Renner”. Werner Meister, der Vorsitzende des Heimatvereins, versteht sich weniger auf's Backen als auf's Organisieren - und zur Feder greift er immer öfter. Die Blätter für die Ortsgeschichte wurden um die Backhausgeschichten erweitert. Er stöberte weiter in alten Archiven, wurde fündig und besitzt lückenlos einen Nachweis aller Bäcker. Und das seit 1599. Aber ein Jahr zu spät ... Leider konnte das 400-Jahre-Bäckerei-Spektakel im Jahre 2001 nicht mehr gefeiert werden. Mit den Recherchen ging es noch tiefer in das Dunkel der Bäckergeschichte. Gab es nicht schon einen Bäcker 1405? Für ein Jubiläum wäre es schon recht! Die Geschichte um das Fest selbst inszenierte erstmals 1996 eine Schülergruppe der Regelschule Auerstedt: eine "fast" richtige Gemeindesitzung anno 1835. Damals galt es, dem Rittergutsbesitzer Kreishauptmann von Zedtwitz das Backrecht abzutrotzen. Nicht nur das Mehl wurde heller. Es kam auch mehr Licht in das Dunkel der Geschichte, denn schon 1830 ermächtigte das Sächsische Kammergericht zu Dresden die Gemeinde Auerstedt, das Backrecht auszuüben. Als der Richter das Urteil zugunsten der Gemeinde Auerstedt verkündete und dieser das Backrecht zusprach, gab es beim Bürgermeister großes Hallo, Freibier und fortan gutes Brot. Das Backfest in Auerstedt wurde zur schönen Tradition - heuer Januar 2005. Ach ja, zur Tradition gehört, dass der jeweilige Bäckermeister, damals auch Schankwirt, (der Schenkgerechtigkeit wegen) zu jedem Backhausfest 150 Liter Freibier auszugeben hat ... Hier hilft natürlich die Apoldaer Vereinsbrauerei in bewährter Weise. Wie schon 1830 so findet auch im neuen Jahr, am 08.01.2005 ab 14 Uhr, das Backhausfest statt. Neben dem riesigen Kuchenangebot tischt die Bäckerei Hamdorf frisch aus dem Steinbackofen Brot und Brötchen auf. Zur traditionellen Skat- und Doppelkopfrunde gibt es eine Besonderheit: ein Spiel mit Napoleon-Karten. Zu den weiteren Vorhaben 2005: Herausgabe eines Buches zu 1806, die Neuauflage eines Festkruges, das Prägen einer Silbermünze-Ausgabe und die Gedenkfeierlichkeiten im Oktober mit einer Schlachtnachstellung. Achtung! Es duftete wieder verführerisch im Weimarer Land. |
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