Das Viadukt in Apolda
Bahnwärterhäuschen en miniature
Als vor dem Jahr 1800 die heiße Gewalt des Wasserdampfes gezielt genutzt wurde, Kräfte zu übertragen und damit Bewegungen in Gang zu setzen, war die Geburtsstunde der Eisenbahn, dem Dampfroß, besiegelt. Es dauerte noch, bis Lok und Tender, Personenwaggons und Transportwägelchen ansehnliche Konturen angenommen hatten. Da freilich war schon längst klar, dass Schienenwege die Basis für diese Art Fortbewegung waren. Berge, Täler, Flüsse, Höhen, Wälder standen dem ganz natürlich im Wege und forderten den Pioniergeist vergangener Generationen. Das Viadukt in Apolda ist noch heute dafür ein Beispiel und kann überdies auf mehr als 150 Jahre des Bestehens zurückschauen.
Einst sollte auf den Wersdorfer Höhen bei Niederroßla ein Bahnhof gebaut werden. Als das bekannt wurde, liefen die Stadtväter und Bürger Apoldas Sturm, heizten der Bahndirektion und der Regierung tüchtig ein. Die Begründung:
Apolda ist eine sich mit Industrie entwickelnde Stadt, etwa die Strumpfwirker, und brauchten dazu die Bahnverbindung. "Oben" gab es dann ein Einsehen und die Eisenbahn wurde so gebaut, wie sie heute noch zwischen Leipzig über Apolda nach Weimar, Erfurt bis Frankfurt am Main verläuft.
Der Bau des 310 Fuß langen und 68 Fuß hohen (von der Bachsohle gerechnet) Viaduktes verursachte aber Architekten, Technikern und Bauleuten Kopfzerbrechen. Überliefert ist, dass er bei dieser Linie die schwierigste und interessanteste Arbeit verursachte. 2000 Arbeiter waren bei den Ausschachtungsarbeiten, beim Anhöhen und Auffüllen des gewaltigen Eisenbahndammes tätig. Mit gewöhnlichen Handkarren, mit zweirädrigen Handkippen (Karren) auf einer leichten Holzbahn, von Menschen oder von Pferden gezogen, wurden die Streckenarbeiten vorangetrieben. Schon gab es vierrädrige Kippkarren auf provisorischen Schienen von Pferden gezogen, die eine Erleichterung mit sich brachten.
Die Bauleute hofften, bei 14 Fuß Tiefe ein festes Steinlager zu finden. Doch an dieser Stelle fanden sie nur lockeren Boden, mehrmals unterbrochen von 6 Zoll starken Schichten Treibsand. Bei 17 Fuß Tiefe stießen die Ingenieure sogar auf eine Fuß dicke Schicht von groben Kies mit Treibsand vermengt. Es blieb also nicht weiter übrig, als Pfahlroste einzurammen. Am 20. Mai 1845 begann das Unternehmen. Am 25. Juli waren 426 Rostpfähle in 32 Fuß Tiefe eingerammt. Am 30. Juli konnte der Grundstein zum Mittelpfeiler gelegt werden. Insgesamt gehören 1 336 Pfähle zum Fundament des heute noch imposanten Bauwerks. Eine Pferdebahn befuhr am 03. Juni 1846 zum ersten Mal den Viadukt. Die Arbeiten wurden am 02.12.1846 als beendet erklärt. Am 19.12.1846 erfolgte die Streckenübergabe Halle-Weimar. Ostern 1847 rollte der Eisenbahnverkehr bis Erfurt und bald darauf bis Eisenach.
Zeitgleich entstanden Signalanlagen Bahnwärterhäuschen, Depots und Straßenübergänge, Tunnelanlagen und weitere Brücken ...
Die Bahnwärterhäuschen haben es dem Apoldaer Modellbauer Andreas Braun (Museumswerkstatt in der Ordensburg zu Liebstedt) angetan. Er baut die von der Strecke Weißenfels bis Weimar en Miniature nach und leistete damit einen Beitrag zur großen Ausstellung der Apoldaer Eisenbahnfreunde im Glockenmuseum.

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