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| Junker Moritz besinnt sich auf alte Rechte |
Die turbulente Versammlung zur Unterstützung der Bauern erbrachte auch unbedachte Worte, Vorhaltungen und bedacht verstreute Gerüchte. So wurde die Tochter des Bürgermeisters Hornigk, die Käthe, beschuldigt, mit dem jungen Schloßherrn heimlich schön zu tun. Vom Vater Rechtfertigung angehalten, konnte Käthe über den Unsinn nur herzhaft lachen und versicherte, ihrem Freund, dem Nickel Woche,alles zu erklären. Der aber war schon nicht mehr zu Hause, sondern mit den Pferden nach den Muhmenäckern unterwegs. Gedankenversunken lief er in sich gekehrt hinter dem Pfluge her und erschrak, als er von Käthe angerufen wurde. Obschon er erkennen ließ, vor ihr wegzulaufen, verstellte sie ihm den Weg und sah ihm frei und offen ins Gesicht. "Du dummer Kerl Du, so wenig Vertrauen hast Du zu Deiner Käthe? Da muß so ein Lump kommen wie Valten Teufel, dem Du mehr glaubst als Deinem Mädchen? Als ich gestern in unserem Weinberg am Faulborn die Reben anband, kam Junker Moritz dazu und sagte mir allerlei schöne Worte. Ich lachte ihn aus und ging meiner Wege." Nachdenklich hörte Nickel zu. "Ich wollte nicht wieder nach dem Weinberg. Wenn Du es aber wünschst, so gehe ich hin, doch Du mußt mitkommen. Von unserer Weinberghütte aus kannst Du uns beobachten und dem Junker gehörig die Meinung sagen, falls er zudringlich werden sollte." Nickel überlegte und erkannte, daß Käthe schuldlos war. So geschah es, daß beide zum Weinberg gingen, Käthe arbeitete, Nickel von der Hütte aus das Treiben beobachtete. Wenig später schon näherte sich siegesgewiß Junker Moritz. Er glaubte, sie sei ihm willig und gescheit geworden. Doch auf den Herrensohn regnete es heftige Worte im Widerstreit. Der Junker prahlte mit seinen Möglichkeiten, der Mädchen gar zehn haben zu können und welche Ehre es sei, von ihm auserwählt zu werden. Käthe erwiderte stolz, bereits mit Nickel verlobt zu sein. Einst galt auch in dieser Region das Recht des Herrn auf die erste Nacht. Es hatte sich bis in jene Tage so geändert, daß der Schloßherr von jeder Braut, die heiratet, einen ledergepolsterten Lehnstuhl, ein seidenes Kissen und einen Goldgulden als Ablösung erhielt. Gegen alles Sträuben suchte deshalb der Junker das Weib an sich zu ziehen, wurde aber von Nickel Woche zurückgerissen. "Du großer Lump und Verbrecher, nicht genug, daß Ihr Euch von dem Schweiß der Bürger mästet, daß Ihr durch Steuern und Fronen den letzten Blutstropfen aus ihnen herauspreßt, Ihr auch noch unsere Mädchen zu verworfenen Frauenzimmern machen." Junker Moritz brachte mit seinen Entgegnungen allen Haß auf das dreckige Bauernpack zum Ausdruck und kehrte seine Bildung heraus. Wie einen Hund wollte er Nickel mit einem Fußtritt verjagen. Dieser jedoch wich aus, packte einen Rebpfahl, der dann hart auf den Junker niedersauste. Der brach zusammen. Alles, was geschehen war, verhieß Nickel und Käthe aus Apolda zu verschwinden. Die Entscheidung war nicht einfach, denn in der Wirtschaft wurden beide gebraucht. Doch sie bedachten auch die furchtbare Rache, die der Schloßherr nehmen würde. Nickel erinnerte seine Verlobte daran, daß jüngst erst eine Frau als Hexe verbrannt worden sei. Sie flohen nach Oberroßla, wo der Junker schon keine Gewalt mehr hatte und dann weiter nach Erfurt in der Hoffnung, daß alles gut werden möge. |
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