Wie Apolda zu seinem Kosenamen kam

Im Verlaufe der Jahre entstanden viele verschiedene Versionen bzw. Erklärungen, wie Apolda den wohlklingenden Beinamen (Kose- oder Necknamen) "Gramont" erhielt und wie es zu "Hunde-Gramont" (Hunnegramong) oder "Gramont - Stadt der freien Liebe" kam.
Unbestritten sind die Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 und die Nähe der napoleonischen Truppen, die dann samt ihrem Kaiser eilig die Leipziger Straße (damals Auerstedter Chaussee) 1813 zum Rückzug nutzten. Die einen sagen dem großen Heerführer und Kaiser Napoleon im Jahr 1806 den Ausruf "Ah, ca c`est Gramont!" (Ah, das ist Gramont) nach und andere wieder einem seiner Generale, der auf dem Marsch nach Eckartsberga von der Höhe der heutigen B87 (Weimarer Berg) in die Stadt Apolda schaute und große Ähnlichkeit zu einer der drei Städte gleichen Namens in Frankreich (2) und Belgien (1)  feststellte. Im übrigen ist von Eckartsberga aus die Stadt Apolda nicht zu sehen.
Tatsache ist aber, dass sich 1806 die napoleonischen Truppen von Saalfeld kommend den Weg durch das Saaletal bahnten und von Jena aus den Apold'schen Steiger bei Cospeda nahmen. Der dortige Napoleonstein hat auch “nur” symbolischen Wert, denn Napoleon soll dort nie gewesen sein. Die Sage, die sich um die Krippendorfer Bockwindmühle (Befehlsstand) und Napoleon rangt, ist ebenfalls historisch ohne Beleg.
Die größte Glaubwürdigkeit zum Ursprung des Namens kommt wohl der Deutung und Aussage eines Zeitgenossen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 zu, der 1923 davon wie folgt erzählte:
"Im Jahre 1870 war der Herzog von Gramont französischer Minister des Auswärtigen. Er war einer der größten Schreier und Kriegshetzer und brachte durch seine lautstarke, große Klappe die Opposition der französischen Kammer zum Schweigen."
Nach dem deutschen Sieg bei Wörth wurde er gestürzt.
Im damaligen 1. Bataillon des 94. Weimarer Regiments dienten Apoldaer, denen man ebenfalls diese "große Klappe" nachsagte.
"Jedenfalls ist mir aber noch erinnerlich", sagte der Einheimische, "dass zu meiner Militärzeit, die in das Jahr 1877 fiel und die ich beim Weimarischen Bataillon des 94. Infanterieregimentes abdiente, alle Apoldaer, wenn man sie ärgern wollte - Gramonger - genannt wurden."
In einer anderen Version wird gesagt:
Die Bezeichnung entstand während des Krieges 1870/1871. Ein Veteran des Krieges berichtete am 25. April 1923 in der “Bibraer Zeitung”: “Das Weimarische Infantrie-Regiment 94 lag in der Zeit vom 12.02. bis 12.03.1871 als Besatzungstruppe in Versailles. Im 1. Bataillon des Regimentes dienten viele Apoldaer. Sie lagen in der Kaserne in der Rue de Gramont (Gramont war der Name des Antoine III., Comte de Gramont, 1641 Marschall von Frankreich, 1653 Staatsminister, nach ihm war die Straße benannt).
Gegenüber der Kaserne befand sich ein Bierlokal, das von einem Bayer geführt wurde. Es avancierte zum Stammlokal der Apoldaer. Die Weimarer und Jenaer Soldaten der anderen Bataillone schufen daraufhin den Spitznamen die Gramonter.
Dieser Neck-, Ruf-, Spitz- oder Kosename verbreitete sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat.”
In dem von Heinz Rosenkranz (Thüringisches Wörterbuch der Universität Jena) in der “Thüringischen Landeszeitung “ vom 22.07.1989 voröffentlichten Artikel heißt es weiter:
“1886 fand ein Fabrikant aus Apolda jenes Lokal in Versailles, das nun in Erinnerung an die Apoldaer Soldaten den Namen “Restaurant d' Apolda” trug.”
Die andere Version:
Das Regiment (wie oben Weimarisches Infanterie-Regiment 94 Sachsen-Weimar-Eisenach) rückte im Feldzug 1870/71 nach der Belagerung in Versailles (im Spiegelsaal proklamierte Bismarck  1871 das Zweite Deutsche Kaiserreich) ein. Sie sollen dort in einem Gasthaus namens „Gramont“ einquartiert gewesen sein. Um ihrer Sehnsucht nach Apolda sichtbaren Ausdruck zu verleihen, sollen die Soldaten auf die Wände der Waggons „Nach Gramont“ geschrieben haben.
Zweifellos war es damals ein Schimpfwort, dem die Bedeutung einer maßlosen Prahlerei anhaftete. Der Sinn hat sich aber im Verlaufe der verflossenen Jahrzehnte ver- und geändert. Geblieben ist für die heutigen Tage "Gramont" als eine scherzhafte Bezeichnung für APOLDA.
Ob nun der Herzog von Gramont, der französische Minister unter Napoleon III. oder der Ausruf der Bewunderung über die Stadt den Vorzug haben, stört den Apoldaer nicht und ärgert ihn auch nicht ob des Gesagten. Gramont ist nun mal Gramont und der Apoldaer weiß sich bestens mit seinem Mundwerk zu verteidigen.
Übrigens benannte eine vor vielen Jahren aus der Stadt verzogene Apoldaerin das von ihr in Essen eröffnete Restaurant "Gramont" und ehrte damit ihre Heimatstadt.
Das traditionelle Cafe “Gramont” in Apolda am Puschkinplatz schloss leider wieder seine Pforten und hatte das Ambiente ganz auf “Traditionell” abgestimmt.
Auch die Thüringer Strickwaren AG (ehemals Kombinat TOA am Weimarer Berg) nutzte die weltweit bekannte Bezeichnung für die Stadt und kreierte eine Collection "Gramont".
Sollten noch “bessere” oder andere Versionen bekannt sein, so müßte der Artikel ergänzt werden. An "Gramont" allerdings wird sich da auch nichts ändern!

Zusammengestellt von Hartwig Mähler


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