Die Deutschen wählten erst die 100 Besten und entschieden sich dann für die Top Ten der großen Deutschen. Das Zeremonium war nicht unumstritten. Absurd die Wahl zwischen Kübelböck und Goethe! Konrad Adenauer rangierte zum Schluss auf dem Siegertreppchen, Karl Marx schaffte es auf Platz drei und Otto von Bismarck erzielte den 9. Rang. Zeitgleich traf die Stadt Apolda Jubiläums-Vorbereitungen zur Veranstaltung „100 Jahre Bismarckturm“. Diese fand im Rahmen die Apoldaer Zwiebelmarktes Ende September 2004 statt.
Wer wollte, konnte sich im Apoldaer Lindwurm-Freizeitzentrum „seinen“ Bismarckturm brennen und glasieren lassen.
Jubiläen sind eine Chance, objektiv über Geschichts- und Lebensbilder zu sprechen, Personen jener Zeit darzustellen und Rückschlüsse für das Handeln in heutiger Zeit zu ziehen. Der 100. Jahrestag der Errichtung des Bismarck-Turmes wurde zu solch' einer Geschichtsbetrachtung. Es wurde nachvollziehbar, warum das nach dem II. Weltkrieg „Aussichtsturm“ genannte Bauwerk später, seit September 1949, als „Friedensturm“ bezeichnet wurde. Die abgemeißelten Buchstaben haben die Deutlichkeit des Names minimiert, an der Zeit und dem Leben des Otto von Bismarck aber nichts geändert. Der heutigen Generation ist es gegeben, sachlich den Blick in die Geschichte zu werfen. Aus Anlaß des Geburtstages des einstigen Reichskanzlers Bismarck entstanden im Jahre 1902 Komitees, erfolgten Grundsteinlegungen oder bereits Einweihungen der so genannten Bismarcktürme.
An Bismarcktürmen und Säulen ist nicht nur Deutschland reich gesegnet. Von ehemals 238 Türmen in Deutschland stehen noch 170. In Thüringen erinnern 17 von einst 24 Bauwerken (zwischen 1895 und 1915) an den Eisernen Kanzler, den Bismarck-Kult und die Glorifizierung des Kanzlers des zweiten deutschen Reiches. Mit dem Namen Bismarck verbanden sich sowohl progressive Leistungen als auch Entscheidungen (etwa das Sozialistengesetz), die ganz unterschiedlich und konträr bewertet wurden. Bismarck verstarb 1898 und ist als Eiserner Kanzler in die Geschichte eingegangen. Bereits 1889 gab es in Apolda ein Bismarckturm-Komitee. Während in Apolda 1902 der Grundstein für einen solchen Turm (Grundfläche sechs mal sechs Meter) gelegt wurde, erfolgten erst zwei Jahre später am nördlichen Stadtrand die Bauarbeiten. Der Baubegin war am 1. April 1904. Im September 1904 gestalteten Bürger der Stadt dann die Einweihung des Bauwerkes mit einem großen Fest an der Auerstedter Chaussee, später Leipziger Chaussee und der heutigen B87. An jener Stelle also, wo sieben Jahre nach der Schlacht von 1806 die geschlagene Kaiserliche Armee Napoleon in regelloser Flucht zurückflutete. (Siehe auch „rendezvous 2006“) Der Turm ist 24 Meter hoch und gestattet einen weiten Blick auf die Stadt und in das weite Land. Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts flackerten noch Feuer zur Sonnenwende in der Pylone bzw. Flammenschale. Von der begehbaren Aussichtsplattform reicht der Blick über die ganze Stadt bis hin zur Ilm-Saale-Platte und im Norden bis zum Finnerücken mit der Eckartsburg. Das Jubiläum bildete den Anlaß sein, den seit 1994 endgültig geschlossenen Turm zu säubern und die Zugängigkeit herzustellen. Die Zinnen-Aussichtsplattform ist über 93 Stufen zu erreichen. Der Erfurter Bismarckturm-Verein unterstützte das Jubiläum mit einem Vortrag zur Geschichte des Turmes und zur Bismarckschen Biographie. Die Apoldaer Briefmarkenfreunde gestalteten zum Jubiläum einen Sonderstempel. Der Turm ist (witterungs- und jahreszeitlich bedingt) donnerstags (nach Anmeldung für Gruppen) und am Wochenende tagsüber frei begehbar. Historiker der Uni Jena untersuchen im Buch „Bismarck in Thüringen – Politik und Erinnerungskultur in kleinstaatlicher Perspektive“, welches im Hain-Verlag Weimar/Jena (ISBN 3-89807-046-8) erschienen ist, die historischen Wurzeln des Bismarck-Kultes in den Regionen. |