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| Apoldaer Stadthaus |
von Pfarrer Hugo Freytag, Broschur Weihnachten 1928, Druck und Verlag Hugo Blume, Apolda Alles (Viadukt, Stadtbank, Jugendstil-Villen) wird übertroffen von dem sinnigen und mannigfaltigen Bilderschmuck am Sparkassengebäude – heute das Apoldaer Stadthaus in der Bachstraße. Das hochragende Haus hat zwei Türen nebeneinander. Über der größeren steht in Stein ausgehauen: Sparkasse; über der kleineren: Standesamt. Wir bemerken auf beiden Seiten des Portals der größeren Tür je eine Frauengestalt. Über der links vom Eingang ließt man „Fortuna“. Was „Glück“ bedeutet. Über der rechts heißt es „Sapientia“: Das bedeutet soviel wie „Weisheit“. Doch weiter zu den Frauengestalten: Beide sehen sich nicht an; die eine hat ihren Kopf nach links, die andere nach rechts gebogen. Ist es in Wirklichkeit so, dass Glück und Weisheit nichts miteinander gemein haben? Behauptet doch ein Sprichwort: „Die Dummen haben das größte Glück“. Fest steht, dass sich Frau Fortuna und Mutter Weisheit am Stadthaus nicht ansehen, sich aber überaus (wie Schwestern) ähnlich sehen. Die Vertreterin des Glücks hat ein Füllhorn in der Hand, die ihr gegenübersitzende Gestalt hat nichts dergleichen bei sich. Sehr sinnig: Glück und Weisheit sind verwandt. Und: Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige. Es ist noch mehr zu sehen. Ein schöner, reich verzierter Steinbogen wölbt sich über der wuchtigen Tür. Auf diesem Bogen rankt sich eine Weinrebe im Halbkreis, an der üppige Trauben hängen. Eine Erinnerung daran, dass der Weinbau in der Gegend und Thüringen bedeutender betrieben wurde. Belebt stellt uns der Bildhauer jene Weinrebe dar: Durch das Blattgewirr streben die Tiere der Heimatflur nach den süßen Trauben ... Nicht nur sie! Von rechts nach links betrachtet: eine Fledermaus, ein Wiesel, eine Maus, zuoberst eine Eule, dann wieder auf der Bogensehne hinunter ein Laubfrosch, ein Eichhörnchen und zum Schluss ein Vogel. Alle die Kreaturen sind in geschäftiger Bewegung. Ruhig thront hingegen die Eule darüber. Dieser Vogel wurde einst für heilig gehalten, als ein glückbringendes Geschöpf - der Vogel der Weisheit. Und so findet sich eine Verbindung zwischen der Eule und den Frauenfiguren, in denen wir Glück und Weisheit erkannten. Würden all' die Tierlein an der Weinrebe naschen, dann würde die Fülle der Beeren schwinden und die Ranke früchteleer erscheinen, wie der Apfelstamm vom Apoldaer Stadtwappen, dem bloß noch die Blätter verblieben, während die rotbäckigen Früchte nur den Grafen vorbehalten waren. Doch weiter mit der Betrachtung dieses Portals: Schau, die gelungenen Käuze je links und rechts oberhalb des Bogens! Es sind in übermenschlicher Größe ein paar Männerköpfe, die uns etwas sagen könnten, nämlich, dass wir nicht so sein sollen, wie wir sind. Links der Verschwender und rechts der Geizhals. Krampfhaft umfasst der Geizige mit kralligen Fingern den gefüllten Beutel. Leichtsinnig schüttet der Verschwender die volle Börse aus ... Das kleinen Portal ist durch die Überschrift „Standesamt“ gekennzeichnet. Oben über dem steinernen Bogen das Täubchenpaar, dazwischen hat es einen großen Ring. Durch die Türe geht man hinein und gibt den im Herzen gefassten Entschluss kund: wir wollen uns ein Nest bauen. Ist man einmal im Ehestand, so gilt es redlich Lust und Leid, Freude und Trauer zu teilen. Aus der Ehe erwächst eine Familie, Kinder kommen – und gehen. Dieser Wechsel von Glücksgefühl und Kummer ist gar sinnig dargestellt. Das eine Kind blickt munter in die Welt; das andere hat sein Händchen betrübt zum weinenden Auge erhoben ... An dem Standesamtsportal fällt ein hölzernes Bildwerk auf. In der Mitte der Tür, auf der hervorspringenden Kante des festen Torflügels ist eine heitere Figur dargestellt. Es ist ein Lautenspieler und singt sich oder sonstwem ein Lied. Oder will er gar die Ratsherren droben im Sitzungssaale bei ihrer ernsten Arbeit damit erfreuen? Dass ein Hündlein am Stadthaus angebracht ist, ist nicht so ohne – in der Stadt, die weithin bekannt ist durch ihren einzigartigen Hundemarkt (und den Dobermann-Pinscher). Dass an dem für die Stadt so bedeutsamen Gebäude auch das Stadtwappen in Stein ausgehauen ist, liegt nahe genug. Ganz wunderbar plastisch ist über Eck die von Adam und Eva und der Paradiesschlange gebildete Gruppe herausgearbeitet. Adam scheint zu schlafen. Die zischende Schlange redet auf Eva ein. Das Weib bricht die verbotene Frucht ... Dem Betrachter werden immer wieder die Augen geöffnet, wenn er nur schauen würde. (Der vollständige Text ist im o.g. Buch oder beim Redakteur einsehbar.) |
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