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| Das Apoldaer Rathaus |
Der traditionell jährliche Tag der offenen Tür im Apoldaer Rathaus offenbart viel Neues: Aus dem dunklen und verbauten Teil des Rathauses sind moderne Büros entstanden. Der historische Charakter des Hauses wurde nicht verfremdet. Die Besonderheiten: Besteigung des Dachbodens sowie des Rathausturmes, Technikschau der Feuerwehr, Gespräche zur städtebaulichen Entwicklung, Besuch im Stadtarchiv ... Das altehrwürdige Rathaus bietet in seiner schlichten baulichen Gestaltung auch heute noch dem Besucher ein eindrucksvolles Bild des Fleißes und der Beharrlichkeit der Apoldaer Bürger, die es trotz schwerster Belastungen seitens der einst hiesigen Schloßherren und harter Notzeiten infolge dauerhafter Kriege verstanden haben, ihre Stadt wirtschaftlich und kulturell zu entwickeln. Das Rathaus und sein immer schöner werdender Marktplatz sind für die Bürger der Stadt und seine Gäste steinerne Zeugen der vergangenen rund 450 Jahre.
Anfang des 12. Jahrhunderts begannen einige deutsche Städte erstmals die Ortsgesetze schriftlich zu fixieren. Diese Bestrebungen gingen lange Zeit an Thüringen vorüber. Für die Stadt Weimar wurde eine solche Verfassung im Jahre 1381 festgeschrieben. In Erfurt geschah dies 1250, wurde aber erst 100 Jahre später vom Mainzer Bischof anerkannt. Eine unersetzbare Kostbarkeit, welches die Stadt besitzt, ist das “Rote Buch”, das älteste Stadtbuch aus dem Jahre 1440. Einst stand das Rathaus, ein kleines mit Schindeln gedecktes Haus (so die Chronik), anfangs des 16. Jahrhunderts mitten auf dem Marktplatz. Es war baufällig und durch den Standort hinderlich für das allgemeine Geschäftsleben. Unter Christoph Vitzthum erfolgte ein Neuaufbau an der Stelle, wie es heute noch vorzufinden ist. Die beiden im Rathaus-Turm eingelassenen Jahreszahlen 1558 und 1559 weisen den Besucher auf die Zeit der Erbauung des Gebäudes hin. Darüber gibt auch eine Urkunde vom 24. April 1558 Aufschluß. "Nachdem dem Erbarn Rathe und der ganzen Gemeinde aus der erfordernder noth angelegen, ein Rathaus zubauen, und aber die gelegenheit, an der vorigen Städte wieder eins zubaun, gar nicht zuträglich, darumb der Gemeinde und der Rath bey dem Edlen, Gestrengen und Ehrenvesten Christoph von Vitzthum sambt seinen Leibes-Mannes-Erben, unseren Erbherren unterthäniger Bitte erworben, daß sie dem Rathe und der Gemeinde die Gunst gethan, dass sie zwei Hofstädte, zum Rathause gelegen ..., darauf ein Wohnhaus zu bauen, gelaßen, gelobet und zugesagt." Über noch frühere Zeiten wurde berichtet: Schon gegen Ende des 13. Jahrhunderts besaß das damalige noch recht kleine Apolda ein Rathaus, obgleich das rings von einer Mauer umgebene Städtchen nur 160 Einwohner hatte und nur den Marktplatz und die darum liegenden Gäßchen mit der Rittergasse als Hauptstraße umfaßte ... Im unteren Gewölbe den neuen Rathauses befand sich der Ratskeller, der, da die Bewirtschaftung von den Bürger- und Ratsmitgliedern selbst übernommen worden war, eine der Haupteinnahmequellen der Stadt bedeutete. Eine weitere Besonderheit, die Aufschluß über die Geschichte des Rathauses und der Stadt geben, sind die Dokumente, die im Turmknopf enthalten waren oder sind. “Aktuelle Zeitungen” wurden gegen längst vergilbte ausgetauscht, Münzen beigegeben und immer wieder zeitbezogene Anlässe vermerkt.
Aus dem Jahre 1816 ist festgehalten. “Den 18. Januar 1816 ist das große Friedens Fest in allen verbündeten Ländern gefeyert worden, bey welcher Gelegenheit die hießigen jungen Pursche, die schöne Friedens Fahne haben machen lassen ...” Ein ganz besonders interessantes Kapitel des Rathauses ist der Apoldaer Stadtrat. Über die Jahrhunderte “regierten” immer zwei Bürgermeister, einst auch Ratismeister genannt. Was heute undenkbar wäre, galt noch im 16. Jahhundert als “normal”. Der Bürgermeister bekam kein Gehalt, nur einmal im Jahr “freie Zeche”. Einer noch älteren Überlieferung zufolge wurde per Erlaß den beiden Stadtoberhäuptern außerdem ein Trinkgeld in Höhe von 1 Altschock und 16 Groschen gewährt. Heute ist nicht einmal ein Trinkgeld in Euro-Cent gestattet ... Das Rathaus als Ölgemälde von Gerd Schnetter (Maler aus Apolda) vermittelt den äußeren Eindruck, die schöne Seite des Rathauses fernab aller angenehmen und aufreibenden Tagesgeschäfte der Stadtverwaltung. Im Foyer gibt die Apolda-Information vielseitige Auskunft über die Stadt, die Geschichte und aktuellen Ereignisse. Dazu zählen viele Broschüren und die Bücher von “Apolda einst” bis “Apolda Jugendstil”. Das Rathaus bildet die Kulisse bei vielen Veranstaltungen und ist ein markantes Wahrzeichen der Stadt, die natürlich immer eine Reise wert ist. |
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