Kostbarkeiten im Weimarer Land Nach einer Bauzeit von vier Jahren fand erstmals wieder nach eineinhalb Jahrzehnten im Jahre 1992 in der Schötener Sankt Marien Kirche ein festlicher Gottesdienst anläßlich der Wiedereinweihung statt. Horst Jährling, Restaurator und Kunstmaler aus Weimar, überreichte den Schlüssel an Helmut Walter, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates und Bauherr der Kirche. In seiner Predigt rief der damalige Superintendent Heinz Zierold auf. "Laßt Euch als lebendige Steine zum geistlichen Haus aufbauen." Das kleine Dorf südlich der Kreisstadt Apolda und am Rande der gleichnamigen Promenade trat mit der Kirchenrestaurierung verstärkt ins Licht der Öffentlichkeit. Mit der Urkunde vom 6.6.1260 beginnt der Nachweis für die Kirche St. Marien in Schöten. Als Zeitzeuge ruft in diesem Dokument der Propst Friedrich des Benediktinernonnenklosters in Heusdorf, welches hier Besitzer an Grund und Boden war, seine Amtsbrüder auf, den von den Einwohnern begonnenen Kirchenbau durch ein Geldopfer zu unterstützen. Den alten kanonischen Gesetzen entsprechend, erhielt die Kirche den Namen der Schutzheiligen des Ordens, was auch die Eigentumsverhältnisse der mittelalterlichen Rechtssprechung widerspiegelt. Die Reformation konnte der Verehrung Marias im Sinne der Gleichstellung mit Christus nicht mehr folgen, so dass lange Zeit der Name der Kirche in Vergessenheit geriet. Aus dem Schlaf der Jahrhunderte geholt, bestätigten archäologische Untersuchungen während der Restauration die Echtheit uralter Urkunden und vervollständigten das bisherige Bild des Gotteshauses. Grabungen zeigten unverkennbar Merkmale der Bauausführung des benediktinischen Ordens. Eine Beziehung zum Kloster Heusdorf ist nicht ausgeschlossen. An der südlichen Außenwand des Glockenturmes befindet sich ein weiteres Zeugnis mittelalterlicher Baugeschichte - ein in den Mauerverband eingelassener Stein mit einem mehrdeutigen tiefen Relief. Hatte er mystische Bedeutung? War es ein Weihekreuz oder ein Zeichen, das als Orientierungsmerkmal für die Zehnt- oder Zinseinnahmen des Klosters galt? Das Zeichen ist zweifelsfrei ein Weihekreuz. Wann dieses Kreuz eingeschlagen wurde, ist nicht bekannt; denkbar ist 1556, ergänzte G. Weber. Der ehrwürdige Taufstein kann bis zu seiner Aufstellung an der inneren Nordwand der Marienkirche auf eine sehr bewegte Vergangenheit verweisen. Ursprünglich stand das aus Sandstein geformte Taufbecken in der Kirche zu Stobra. Nach dem Umbau des dortigen Gotteshauses diente es seit 1888 bei einem Bauer als Regentraufe, bevor es in den 60er Jahren gegen Tausch nach Schöten gelangte. Aus der Geschichte ist die Einsetzung eines evangelischen Pfarrers 1533 bekannt. 1556 erfolgen eine Reihe von Änderungen und Zubauten an der Kirche, die am 02. Oktober 1780 nebst dem Dorf durch Feuer in Schutt und Asche gelegt wurde. 1782 begann der Aufbau erneut und hat zum heutigen ein kaum verändertes Aussehen. 1801 wurde die Orgel wiederhergestellt. 1834 erfolgte die Reparatur der Turmuhr und die Sicherung gegen Frevler. Bereits 1905 stellte man einen mangelhaften Zustand der Kirche fest und beauftragte die Erneuerung. Das Jahr 1992 wird für die Gemeinde unvergessen bleiben, hat sie doch mit dem Wiederaufbau der Kirche eigene Tatkraft und finanzielle Opfer mit sich gebracht. Mit der Wiedereinweihung verfügt die Kirchgemeinde und der gesamte Ort über eine geistliche Heimat und eine Sehenswürdigkeit obendrein. (aus der Festbroschüre, Kirche St. Marien zu Schöten 1260 - 1992, von Vikar Axel Walter, heute Pfarrer der Gemeinde) |