Von wegen „Müller oder was?“!

Gut recherchiert müßte es heißen: von den  X Städten und Dörfern in Deutschland gibt es nur X , in denen der Name Müller nicht vorkommt. Schlecht oder gar nicht recherchiert könnte man verallgemeinern, dass es wohl keinen Ort in Deutschland gibt, in dem der Name MÜLLER nicht vorkommt. Diesen Umstand nutzte gekonnt und werbewirksam ein Lebensmittelhersteller ...
Da ist es eher ein Zufall, dass der Bürgermeister der Stadt Apolda und auch eine Straße den gleichen Namen trägt. Es erging vor ihm manchen Bürgermeister gleichen Namens  in der Stadt ebenso.
Beruflich ist der Müller hierzulande kaum noch anzutreffen. Dennoch schlägt der Name die Meiers, Schulzens oder Schmidts um Längen. Schlagen Sie das Adressbuch auf. Vier Spalten und winzig klein gedruckt allein im Apoldschen – die Müllers.
Früher war alles viel besser, so eine unzulässige Verallgemeinerung. Das stimmt zumindest bei Müller, weil man da bei der überblickverlierenden Vielzahl einfach in Müller 1 bis ... unterteilte. Heute geht das nicht mehr. Im Zeitalter der PC und Webseiten würde es hundertfach heißen: „www.müller.de bereits belegt. Wählen Sie einen anderen Namen.“
Personenstandsmäßig geht das zwar, nicht ohne Kosten, aber es geht. Würden dem alle Müllers nachkommen, bliebe leider nur noch Meier und Schulze ein „Massename“. Wer will das schon?
Da unsere Vorfahren schon kleine Späths waren, also clever im Leben bestanden, legten sie sich einen Erkennungsunterschied zu. Etwa Müller vom Apfelbach oder Müller-Hollenhorst.
Würde man Apoldaer fragen, kämen reichlich Antworten, denn das Haus am Brückenborn, Ecke Bachstraße bzw. August-Bebel-Sraße wird seit Generationen von der letztgenannten Familie bewohnt. Im neu sanierten und renovierten Eckhaus ist die Buchhandlung Habel zu finden - und dort natürlich auch Apoldsche Schlenker, Geschichten und das Mundartbüchlein vom Lehrer a.D. Dannewald „Mei Apolle“ (siehe auch Rubrik Mundart).
Ob die Antworten so reichlich sprudeln würden bei der Frage nach Dr. Ferdinand Müller-Saalfeld ist ungewiß. Und bevor sich die Apoldschen betroffen in Sprachlosigkeit üben (die sonst kaum um eine Antwort verlegen sind), lassen wir Pfarrer Hugo Freytag darüber plaudern:
Der Name Müller genießt in Apolda verdiente Anerkennung. Es gab eine Müller-Stiftung, auf Grund deren unbemittelte Kranke kostenlos Arneimittel empfingen, bis die Stiftung von der Inflation hinweggeweht wurde. Noch heute (so 1928 geschrieben) baut sich auf eine Müller-Stiftung die wertvolle Stadtbibliothek auf. Und. Die Erinnerung an zwei Brüder soll wachbleiben oder wachgerufen werden, die weit über die Stadt hinaus in hohem Ansehen standen:
Hermann Müller hieß der ältere, der sich später Müller-Hollenhorst nannte. Kein Bürger der Stadt hat seit dem wieder eine solche Rolle im öffentlichen Leben gespielt, so die Aussage in „Apoldaer Erinnerungen“.  Viele Jahre, von 1896 bis 1909, waltete er als Präsident der Handelskammer in Weimar und war jahrelang Vizepräsident des Weimarischen Landtages. Er war national-liberaler Abgeordneter im Deutschen Reichstag. Er erwarb sich Verdienste um eine erste gute Wasserleitung in Apolda und wirkte als Vorsitzender des Gartenbauvereins. Im 70. Jahr begab er sich noch auf eine Fahrt nach Ägypten  und fand an Bord eines Dampfers zwischen Port Said und Alexandria ein Ende durch eine plötzliche Herzschwäche. Kommerzienrat Müller-Hollenhorst galt als Urbild eines Mannes, stattliche Gestalt, frische Gesundheit, lebensmunter und tatenfroh.
Er betrieb das altererbte Material- und Kolonialwarengeschäft J. E. Burkhardt & Sohn an der ehemaligen Brücke über den früher offen dahinfließenden Schötener Bach, da wo lange Zeit der Brückenbornbrunnen stand (heute steht dieser am Eingang der Sparkasse).  Müller-Hollenhorst spendete diesen der Stadt als Dank dafür, dass seine Söhne unversehrt aus dem Deutsch-Französischen Krieg heimkehrten.
Sein jüngerer Bruder aber führte den Namen Müller-Saalfeld, war Schriftsteller und längere Zeit in der Saalestadt (mit den weltbekannten Feengrotten) tätig. Dr. Ferdinand Müller-Saalfeld war auch Lehrer und Poet. Von Gestalt viel zierlicher schien er geboren als Mädchenerzieher. Vielleicht ist es in Vergessenheit geraten: der Doktor erhielt weithin Anerkennung auch als Rätseldichter (weit über 5 000 Rätsel), wie es in der Zeitschrift „Gartenlaube“ 1905 nachdrücklich zu seinem 60. Geburtstag  Erwähnung fand. Über den Bürgermeister Michael Müller, der 2005 im 15. Amtsjahr aktiv ist für die Stadt, kann mehr unter der Rubrik „Persönlichkeiten“ nachgelesen werden.

Der Poet und Rätseldichter versuchte sich auch als Dramatiker im Bereich der Liebhaberbühne. Ein Stück „Die Cotillontour“ wurde erstmalig am 3. September 1887 am Königlichen Theater auf Helgoland aufgeführt. Nach einem erfüllten Leben verstarb Dr. Müller-Saalfeld im Alter von 77 Jahren und wurde auf dem Apoldaer Friedhof beigesetzt.
Der Name Müller-Hollenhorst hat in Apolda noch immer beachtliche Bedeutung. Roland Müller-Hollenhorst initiierte zum Beispiel, dass die Figur des Brunnen, das kleine goldfarbene Mädchen, was böswillige Menschen klauten, als Kopie wieder auf dem Brunnen zu sehen ist. Der Senior und auch der Junior beleben maßgeblich den Apoldaer Brunnenverein. Das ist aber schon die nächste Geschichte ...


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