Luther in Jena
Zur Erinnerung: Luther wurde 2003 unter die ersten 10 der 100 besten Deutschen gewählt.
Lucas Cranach d.Ä., malte seinen Freund (Holzschnitt 1551, von Formschneider Jörg in Wittenberg). Nur dadurch ist überhaupt überliefert, wie Martin Luther auch als „Junker Jörg“ auf der Wartburg (im Buch von Hans Lorbeer, Fegefeuer bis Widerruf) aussah. Nach Motiven von Lucas Cranachs gestaltetem Brustbild sind Universitätssiegel und die goldene Amtskette des Rektors der Uni Jena gestaltet.
Albrecht Dürer stand mit ganzem Herzen auf der Seite der Reformation, die er auf seine Weise vorbereiten geholfen hatte. Anfang 1520 schrieb Dürer an Spalatin, den Kapellan Kurfürst Friedrich des Weisen (Hanfried), daß er „... ihm den löblichen Doktor Martin Luther befohlen sein lasse, von christlicher Wahrheit wegen, daran uns mehr liegt, denn an allem Reichtum und Gewalt dieser Welt; das dem alles mit der Zeit vergeht, allein die Wahrheit bleibt ewig. Und helf mit Gott, daß ich zu Doktor Martin Luther komme, so will ich ihn mit Fleiß konterfeien und in Kupfer stechen zu einem langen Gedächtnis des christlichen Manns, der mir aus großen Ängsten geholfen hat“. Zu dem geplanten Konterfei ist es jedoch nicht gekommen. Ob Dürer Luther persönlich getroffen hat, ist nicht überliefert. Melanchthon, geboren als Philipp Schwarzert am 16. Februar 1497 im badischen Bretten geboren (Schulmeister Deutschlands) ist als Kupferstich von Albrecht Dürer verewigt
Die „Lutherkanzel“ in Jena mit Blick ins Mühltal veranlaßte Leo Sachse (aus: Jena in Wort und Bild, Verlag Frommannsche Hofbuchhandlung, dritte, bedeutend vermehrte Auflage, ohne Jahresangabe) zu folgenden Versen: Auf dieser Felsenkanzel, Einst Martin Luther stund, Und redete zum Volke. So thut's die Sage kund. Und was die Sage kündet, Das ist im Grund auch wahr: Unsterbliche Geister wirken Allorts und immerdar.
Der Begriff „Lutherkanzel“ ist aber sehr frei gedeutet. Begrifflich ist der Platz über der Leutra = Litter, vom  Flüsschen im Mühltal, abgeleitet. Unterhalb des Felsvorsprunges ist eine Nasenquelle zu finden. Eine der Kuriositäten in Thüringen ist der Schnapphans von Jena, ein Narr, der stündlich nach einer güldenen Kugel schnappt. Der Thüringer meint zwar heutzutage, dass der Narr am Rathaus nicht nach der Goldkugel, sondern nach einem Kloß schnappt, was aber nicht belegt ist. Fest steht, dass immer dann, wenn die Rathausuhr die volle Stunde anzeigt, ein Pilger dem Narren einen Wanderstab vor die Nase hält. Daran ist besagte Kugel  und vergeblich schnappt der Hans danach. Das geschieht seit 1755 – aktuell genau 250 Jahre lang. Wie es zum Schnapphans kam, wird unterschiedlich interpretiert. Vielleicht ist es die Weisheit der Narren, die dazu führte, die Narrenfigur zu installieren. Es könnte auch die Allegorie auf die Torheit allgemein sein. Dr. Martin Luther soll zu mehreren Gelegenheiten bei seiner Anwesenheit in Jena (erstmals 1522) seine nicht sehr diplomatische Meinung über den blöd und dümmlich dreinschauenden Narren geäußert haben.
Am 22. Oktober 1994 stand in einer Jenaer Zeitung, bezogen auf den Weinanbau, geschrieben, dass der Wein aus der Saalestadt bis Leipzig und Wittenberg gelangten. Martin Luther und Philipp Melanchthon schätzten den zollfreien Wein aus Jena und ließen sich diesen hin und wieder nachschicken. Wie gut der Wein wirklich war, ist heute schwerlich zu sagen. Dr. Martinus Luther meinte dazu: „Jena, wo der Essig wächst“ und „Jena, wo die Berge natürlichen Essig weinen ...“
Erstmalig weilte Luther 1522 in Jena, als er – noch unter dem Namen Junker Jörg -, von der Wartburg nach Wittenberg reisend, im Gasthof „Zum Bären“ übernachtete. Der Kurfürst hatte ihn aufgefordert, persönlich gegen den revolutionärsten Teil der Bevölkerung vorzugehen.  Am 22. August 1524 predigte er in der Michaeliskirche (erbaut ab 1420, 1506 vollendet, ohne den Turm) gegen die radikalen und unversöhnlichen Lehren Karlstadts 'eigentlich Andreas Bodenstein' und Martin Reinharts. In der anschließenden Disputation zwischen Luther und Karlstadt (22. August 1524 im Jenaer „Bären“) vollzog sich der endgültige Bruch zwischen beiden; Karlstadt wurde gemeinsam mit Reinhard aus Jena ausgewiesen.
In den Räumen des ehemaligen Karmeliterklosters zu Jena richtete der Magdeburger Christian Rödinger 1533 eine Druckerei ein. Hier erschien seit 1555 die erste kritische Gesamtausgabe der Werke Martin Luthers. Jena hatte mit der Gründung dieser Druckerei ein Gewerbe gewonnen, das in den folgenden Jahrhunderten wesentlich zur Steigerung seines Ansehens beitrug.
(aus: Jena, 1958, Sachsenverlag Dresden)
Im Buch von Günter Steiger „Ich würde doch nach Jena gehen ...“, Weimar 1980, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, wird auf S. 23 die für die Ruhestätte in Wittenberg bestimmte Grabplatte Martin Luthers erwähnt, die sich in der Stadtkirche St. Michael befindet. Sie wurde im Auftrag der Ernestiner angefertigt, Erfurter Bronzeguß 1548/49 nach einer Vorlage von Lucas Cranach d.Ä. durch Heinrich Ziegeler d.J. Ausgeführt. Johann Wilhelm, Sohn von Johann Friedrich, brachte diese nach Jena und stellte sie in der Kirche unter den Schutz der Universität
Von Martin Luther (Tischreden) stammt auch:
Viele Mühen erträgt der Deutsche bei seiner Arbeit.
O, ertrüge er doch gleicherweise den Durst!

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