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| Die Geschichte von der wundersamen Glocke zu Großromstedt |
"Es war, als würden die gesegneten Geschenke aus uralter Zeit in neuer Gestalt dem Dorfe gegeben und das Glück erneueren", begann Großväterchen seine Geschichte von der Glocke. Die Kinder lauschten erregt, und die mächtige Linde breitete das schützende Dach über sie. Als Trockenheit über das Land kam und der kleine See nahe dem Hölzchen längst versiegt war, sprudelte plötzlich ein Quell hervor. Als ein Weg zwischen den Feldern befestigt wurde, die Baumeister ihr Handwerk schlecht verrichteten und die Wasserflut über das Korn kam, erhoben sich die Bewohner. Und sie boten dem Lehnsherrn so lange die Stirn, bis ein Durchbruch im Weg dem Wasser seinen Lauf gab. Und als eine Glocke im Jahre 1655 gegossen wurde, erhielt sie die Inschrift: "Segen und ewige Beständigkeit komme über (Groß-)Romstedt". Sie hatte einen so lieblichen Klang, dass er weithin bis zur Ilm und Saale in die Täler drang und die Herzen der Menschen erfreute. Da trug sich zu, dass ein gestrenger Herzog aus Weimar in dieser Gegend Jagd hielt. Weit und breit wußte man von seiner Baukunst, die wunderschöne Türme, Gärten und Schlösser zauberte. Seine Getreuen und Untertanen lebten in Ehrfurcht vor ihrem Herren, der wohl an allem Wunderbaren Gefallen hatte und sich auch dem Geheimnisvollen hingab. Zu alledem fügte sich die Jagd und der Aufenthalt in dem alten Wasserschloß zu Kapellendorf, die düsteren Säle mit Schilden, Rüstungen und Wappen, die Tafelrunde zur Mitternacht, aber auch das silbern-freudige Halali am nächsten Morgen. Gierig das Gebell der nach Wild hetzenden Hunde, das Stampfen der rasenden Rosse und das aufschreckende Rufen der Treiberknechte vertrieben das flüchtende Dunkel der Nacht, und schon brach sich der neue Tag bahn. Plötzlich hörte der Herzog mit seinem Gefolge einen gar lieblichen Klang, der nur von einer Glocke herrühren konnte. Doch weit und breit war die Flur, und die Dörfer lagen weit. Ergriffen lauschten die Mannen um den Herzog dem wunderbaren Ton, bis dass der Herzog nach dem Dorfe schickte; zu verkünden, was sein Begehr war. Und der Gesandte fand das Dorf. (Groß-)Romstedt, eigenartig gebaut, als hätte Arglist der Feinde es wehrhaftig werden lassen. Des Reiters Signal rief die Bewohner und Bürger zur Kirche, und sie vernahmen den Erlaß des Boten. Ein Murren ging durch die Runde, und Zorn kam auf ob der Worte, die Unheil kündeten, sollten die Untertanen nicht willens sein, Folge zu leisten. Obschon dem Herzog jeder Preis für die Glocke recht war, befürchteten die Einwohner, dass sie die dem Ort geweihte Glocke nie mehr sehen würden - glaubten nicht an die Versicherung, dass nur eine gleiche Glocke zu gießen Absicht sei. In zwei Noten unterstrich der Herzog nachdrücklich sein Begehren und war nicht dem Hoffen gnädig, konnte er doch bei seinen Untertanen eine Glocke von solch` lieblichen Klang nicht dulden. Da der Zorn des Fürsten zu fürchten war, so ließ man, wenn auch mit großem Widerstreben, den Kirchenschlüssel aus dem Verstecke holen und endlich die Glocke doch verabfolgen. Möge sie dem Glück des Dorfes treu bleiben, dachten viele und vernahmen später, dass der liebliche Ton zum Tag des Herrn und an den Festtagen Kunde weit und breit über das Land bringen würde. Doch was geschah? In stiller Nacht fing die Glocke von selbst zu läuten an und hörte ohne menschliches Zutun nicht mehr auf zu schlagen, und eine allgemeine Angst kam auf bei den Bürgern zu Weimar. Auch das Läuten zu verschiedenen feierlichen Anlässen brachte immer unglückliche Folgen. Zuletzt kam über alle eine Furcht vor der Unglücks-Glocke, und dies gelangte zu Ohren des gestrengen Herzogs. Da beschloß er, die entführte Glocke wieder an ihren früheren Ort bringen zu lassen, wo sie bis heute die Herzen der Menschen durch ihren wunderbaren, feierlichen Ton ergreift. Nacherzählt von H. Mähler unter Verwendung von Unterlagen des Pfarrers Eduard Bohn aus Vierzehnheiligen (1858) |
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