Als Kroaten das Lutherbildnis raubten
Die Sage berichte davon, dass der große Reformator Dr. Martin Luther einst über die Lande durch`s Thüringische gezogen sei und in Oberroßla predigte.
In der dortigen, im 15. Jahrhundert erbauten Kirche, wird der alten Lesekanzel im Altarraum ein ehrendes Andenken bewahrt. Von dieser soll Luther, der den Leuten aufs Maul schaute, seine gewaltigen Worte der lauschenden Kirchgemeinde zugerufen haben.
In früheren Zeiten hingen die Porträts von Luther und Melanchthon ebenfalls in der Kirche. Sie waren ein Geschenk des Hofpredigers Meiße zu Weimar, der einst als Pfarrer in Oberroßla wirkte und im Jahre 1595 die Bilder widmete.
Die Chronik berichtet von einer interessanten Geschichte, die bis heute ein Rätsel ist:
Kroaten übernachteten zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges gegen 1635 in der Kirche. Offenbar fanden sie Gefallen am Lutherbild, oder der Drang nach Beute hatte sich ihrer bemächtigt. Sie schnitten das Bild, welches den Kopf und die Bibel zeigte, aus dem Rahmen.
Auf dem Weg nach Mattstedt, wohin sie der Marsch führte, verlor ein Kroate das Diebeszeug aus seinem Wams. Das in der "Mattstedter Hohle" wiedergefundene Bild gaben die Bürger einem Jenaer Maler mit der Bitte, das herausgeschnittene Teil einzusetzen und so das Übel der Kroaten beizulegen. Das Ganze kostete in jenen Zeiten 2 Taler und 16 Groschen.
Kirchenbucheintragungen berichteten in den Jahren 1651, 1681 und 1705 von der seltsamen Erscheinung, denn ein Teil des Bildes zeigte tropfende „Schweißperlen“.
"Am 27. März 1705 begann das Bildnis Luthers vom Morgen bis zum Abend derart zu schwitzen, daß ...", wie es in dem Bericht des Pfarrers an den Generalsuperintendent in Weimar heißt, " ...wenn man die Tränen und Tropfen abwischte, sogleich wieder andere austraten, die Erbsen gleich groß dagestanden haben, und zwar nur am Gesicht und Bauch, da sonst die übrigen Teile des Bildes ganz trocken gewesen."
Dem Ereignis wurde ein Vers gewidmet und die Merkwürdigkeit in eine Gedenkmedaille geprägt.
Fliehen dem Bildnis Luther dreihundert Jahre danach immer noch „Schweißtropfen“ oder sind es gar Tränen, die den Frevel der raubenden Horden beweinen?
Ist das Bild überhaupt noch vorhanden? Wie auch immer. Im Jahre 2005 jährt sich das zuletzt beschriebene Ereignis zum 300. Mal.

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