28.07.2010 | Moderne im Aufbruch:

... Henry van de Velde in Thüringen
ImPuls-Region würdigt den 150. Geburtstag des großen »Alleskünstlers«
Am 3. April 2013 jährt sich der Geburtstag des belgischen Architekten und Produktdesigners Henry van de Velde zum 150. Mal. Dieses Jubiläum nimmt die Arbeitsgruppe »Kultur und Tourismus – Bauhaus« der ImPuls-Region Erfurt-Weimar-Jena zum Anlass, ihre erfolgreiche Arbeit
fortzusetzen und van de Velde als Wegbereiter der Moderne in Thüringen zu feiern. Die Lenkungsgruppe der ImPuls-Region begrüßt ausdrücklich diese Initiative und hat in ihrer Sitzung vom 17. März 2010 einstimmig den Beschluss zur Fortführung der Tätigkeit der Sonderarbeitsgruppe »Bauhaus 2009« gefasst, die bisherigen Leistungen gewürdigt und sich zur Durchführung eines Van-de-Velde-Jahres bekannt.
Neben Erfurt, Jena, Weimar und dem Weimarer Land wird sich auch Gera an den für 2013 geplanten Aktivitäten beteiligen. Hier baute van de Velde von 1913–1914 das »Haus Schulenburg wikipedia.org/wiki/Haus_Schulenburg, die Villa des Fabrikanten und Kunstsammlers Paul Schulenburg.
Bis heute spielt der »Alleskünstler« Henry van de Velde für die Design- und Kunstgeschichte eine entscheidende Rolle. Frankreich feierte ihn bereits 1895 als erfolgreichen Innenausstatter und wichtigen Mitbegründer des »Art nouveau«. Die Thüringer Jahre von 1902 bis 1917 gelten zudem als die wichtigste Epoche seiner langen Karriere. Mit seinem Kunstgewerblichen Seminar in Weimar gelang es Henry van de Velde ab 1902 erstmals, Kunst, Industrie und Handwerk in Theorie und Praxis zu vereinen. Damit trug er wesentlich zu den geistigen und praxisorientierten Grundlagen des Bauhauses bei.
Ausstellungen und Veranstaltungen stellen Werk und Wirkung van de Veldes vor.
Das Programm zum Van-de-Velde-Jahr wird sowohl monographische Schauen zu van de Velde selbst als auch Ausstellungen zu seinen Weggefährten und Schülern umfassen. Besonderes Augenmerk liegt darauf, van de Veldes außerordentliche Künstlerpersönlichkeit und sein Schaffen in unterschiedlichen Kontexten vorzustellen.
Das Kunsthaus Apolda eröffnet den Ausstellungsreigen mit einer Ausstellung zu Max Ackermann, der als einer der begabtesten Schüler an van de Veldes Weimarer Kunstgewerbeschule ein komplexes, auf farbtheoretischen Ansätzen basierendes malerisches Werk entwickelte, das
ihn später konsequent zur Abstraktion führte. Ferner werden der Maler Heinrich Vogeler, der ab 1897 die internationale Kunstszene eroberte, vorgestellt sowie Curt Herrmann, einer der engsten Freunde van de Veldes und bedeutender Vertreter des deutschen Impressionismus. Curt Herrmann war zudem einer der wenigen Pointillisten außerhalb Frankreichs und Belgiens.
Mit Sascha Schneider präsentiert das Stadtmuseum Weimar den umstrittensten und schillerndsten Künstler im Weimar der Jahrhundertwende, der von 1904 bis 1908 an der Kunsthochschule in Weimar lehrte und dessen Werk heute zu Unrecht weitgehend vergessen ist.
Seine großformatigen Bilder eröffnen einen überraschenden, kaum bekannten Einblick in jene kurze Zeitphase zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der die frühe, in Weimar sehr präsente Moderne vielfältige Spielarten ausprägte.
In Erfurt bemüht man sich, in einer Ausstellung das Wirken der berühmten Wiener Werkstätte zwischen 1903 und 1932 zu thematisieren. Wie das Schaffen von Henry van de Velde, so ist auch die Wiener Werkstätte eine Frucht jener umfassenden Reformbemühungen, welche das europäische Kultur- und Geistesleben an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert prägten. Die Ausstellung möchte Ähnlichkeiten und Differenzen zwischen diesen jeweils bedeutenden Spielarten reformorientierten Gestaltens ermöglichen. (Wird fortgesetzt)

September 2010
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